10,5 Tipps für junge Gründer*innen aus dem Erfahrungsschatz von Oda Henckel

Geschrieben am 16.09.2020
von Izabela Witkowska


Oda Henckel ist Projektleitung des Gründungsbildungsprogramms Herausforderung Unternehmertum bei der Stiftung der Deutschen Wirtschaft


1. Zusammen sind wir stärker (und besser)!

Sucht euch alle Kompetenzen im Team, die eure Geschäftsidee braucht. Es ist zwar total nett mit Freund*innen zusammen zu arbeiten, doch wenn eure Geschäftsidee z. B. die Entwicklung einer App ist, braucht ihr mindestens eine Person im Team, die fit im Programmieren ist. Wenn ihr Kekse verkaufen wollt, sollten einige von euch gut backen können usw. Nicht jeder(r) muss alles können. Im Gegenteil: Jede(r) sollte eine Sache richtig gut können. Bei der Zusammenstellung des Teams überlegt also gut, was es an Fähigkeiten braucht und wer sie hat. Nicht vergessen: Die Entwicklung einer Geschäftsidee hat immer mit Ausgaben und Einnahmen zu tun. Mindestens eine Person im Team sollte richtig gut und gern mit Zahlen umgehen können.



2. Teamvertrag machen – Verträge macht man, solange man sich verträgt

Verständigt euch auf gemeinsame Regeln: Wie wollt ihr zusammenarbeiten? Wie schnell muss jede(r) von euch eine Mail/Nachricht beantworten? Wie oft trefft ihr euch als Team? Je mehr ihr vorher zusammen entscheidet, desto besser. Schreibt alle eure gemeinsamen Regeln auf, lasst jedes Mitglied im Team den Vertrag unterschreiben. Das schafft Verbindlichkeit.


3. Voll verplant? Gut so! 

Richtet einen Projektplan ein und pflegt ihn. Mindestens eine Person im Team muss den Hut aufhaben (Projektleitung) und damit auch den Überblick über alles behalten. Entscheidet, wer das sein soll. Die Person kann übrigens auch regelmäßig wechseln. Wichtig ist, dass eine(r) das große Ganze im Auge hat und sich nicht in kleinen Aufgaben verliert. Entscheidet auch, welches Projektmanagement-Tool ihr nutzen wollt. Ganz ohne wird es nämlich nicht gehen. Es gibt viele Möglichkeiten und kostenfreie Programme wie z. B. Trello, Asana und Monday.com. Auch eine Excel-Tabelle kann für das Projektmanagement hilfreich sein. Mit einem Tool, das gut zu eurem Team und eurer Idee passt, ist es einfach zu sehen, welche Ziele und Aufgaben definiert werden müssen, was bis wann fertig gestellt werden muss und woran gerade die anderen Teammitglieder arbeiten. Oder ihr könnt sehen, ob etwas fertiggestellt ist und was jedes individuelle Teammitglied braucht, um selbst weiterzumachen. Ein guter Projektplan verrät, welche To Dos bis wann notwendig sind, um die Geschäftsidee umzusetzen. Apropos Plan: Zu jeder guten Gründung – egal ob for- oder non-profit - gehört ein guter Businessplan. Er ist die schriftliche Zusammenfassung eures zukünftigen Start- ups und sollte die ZieleStrategien und Aktivitäten eurer Idee enthalten. Neben den Stärken zeigt ein guter Businessplan auch mögliche Risiken und Hindernisse plus Lösungsvorschläge. Dazu gibt es im Netz reichlich Informationen, Anleitungen und Vorlagen. Nehmt euch die Zeit und macht euch die Mühe, einen soliden Businessplan für euer Start-up zu erstellen. Es lohnt sich.



4. Der Kunde/die Kundin ist König*in. Frag` die Kund*innen!

Jede/r Gründer*in findet seine/ihre eigene Idee total klasse, sonst würde er oder sie ja diese nicht als Geschäftsidee realisieren wollen. Aber Achtung: Überlegt euch, für WEN ihr diese Idee auf den Markt bringen wollt? Wer sollen eure Kund*innen sein? Wenn ihr das wisst, geht sobald ihr könnt raus und fragt die potentiellen Abnehmer*innen/Nutzer*innen. Geht in die Fußgängerzone oder auf den Marktplatz. Habt den Mut, Menschen anzusprechen und zu fragen, ob sie brauchen, was ihr gerade erfindet. Hört den Menschen gut zu, sie geben wertvollen Input für euer Produkt. Arbeitet die Feedbacks in eure Geschäftsidee ein. Je mehr ihr auf eure potentiellen Abnehmer*innen hört, desto eher werdet ihr euer Produkt vermarkten können.


5. Reden ist Gold und Schweigen ist Silber

Sprecht über eure Idee. Die meisten haben Angst, dass ihre Idee geklaut wird. Das wird sie sehr selten, denn nur ihr wisst ja, wie es wirklich geht. Sollte es doch der Fall sein, dass euch jemand kopiert, keine Panik: Es gibt auch mehrere Colas auf dem Markt. Oft belebt Konkurrenz tatsächlich das (eigene) Geschäft. Macht es besser als die anderen (oder schließt euch gar mit den anderen zusammen) - aber sprecht über euer Produkt. Die beste Idee nützt nichts, wenn sie im Verborgenen bleibt.


6. Wer nicht fragt, bleibt dumm

Holt euch Rat von Expert*innen. Ihr kennt eure Geschäftsidee, euer Geschäftsmodell am besten, das ist klar. Doch um diese Idee erfolgreich „auf die Straße“ zu bringen, braucht es viele weitere Kenntnisse. Nutzt an allen Stellen die Möglichkeit, Menschen nach ihren Erfahrungen zu fragen und Tipps für euch einzuholen. Wenn die Nachbarin einen kleinen Online- (oder Offline-) Shop hat, kann sie z.B. sicherlich einiges über Kundenbindung oder Marketing berichten. Wenn ihr z.B. im Gesundheitssektor gründet und eure Tante Ärztin ist, stellt ihr relevante Fragen zu eurem Vorhaben und nehmt ihre Expertise als Medizinerin auf. Und noch etwas Wichtiges: Auch wenn ihr keine*n Jurist*in im Umfeld – jedoch eine juristische Unklarheit habt – nehmt ggf. ein bisschen Geld in die Hand und lasst euch die Fragen von einer Anwältin oder einem Anwalt beantworten. Sich Rat vorab zu holen ist zwar nicht billig, einen Gerichtsprozess hinterher zu führen, ist jedoch viel, viel teurer!



7. Fehler machen – und wieder was gelernt!

Jede(r) macht Fehler, vor allem wenn man etwas das erste Mal macht. Denkt mal daran, wie oft kleine Kinder hinfallen, wenn sie das Laufen lernen. Sie stehen unermüdlich jedes Mal wieder auf. Und bei jedem Mal machen sie es ein bisschen besser. Warum? Weil sie gelernt haben. So ist Gründen auch: Ihr werdet ganz viel Wissen von Expert*innen einholen (siehe Punkt 6), daher habt ihr schon die Nase weit vorn. Trotzdem werdet ihr Fehler machen. Das macht nichts, korrigiert die Fehler, lernt daraus und macht munter weiter.


8. Wettbewerbe scannen und mitmachen!

Es gibt unzählig viele Gründungswettbewerbe, die z. B. nach Themen oder Branchen ausgerichtet sind, nach Regionen oder Altersgruppen, for- oder non-profit. In jedem Fall ist es wichtig, sich einen Überblick zu verschaffen, welche Wettbewerbe für eure Gründung in Frage kommen. Bewerbt euch, traut euch! Es hat nur Vorteile: Mit dem Bewerbungsantrag lernt ihr immer besser, eure Idee auf den Punkt zu formulieren. Gewinnt ihr, habt ihr eine professionelle Beratung, einen Workspace oder ein Preisgeld - was auch immer die Prämie ist. Wenn ihr bei einem Wettbewerb erfolgreich wart, bekommt ihr ein ganz anderes Gehör bei potentiellen Investor*innen, Kund*innen, Förder*innen und übrigens auch bei weiteren Wettbewerben. Ihr werdet erstaunt sein, wie ernst man euch nehmen wird mit einer Auszeichnung in der Tasche.


9. Von klein zu groß

Ja, es heißt immer: Think big. Das ist beim Gründen grundsätzlich nicht schlecht. Zumindest beim Denken der Idee. Bei der eigentlichen Umsetzung ist es für ein Geschäft fast immer gut, klein anzufangen, organisch und gesund zu wachsen, also Stück für Stück. Wenn eure Idee beispielsweise ein innovatives Konzept für Nachhilfeunterricht ist, beginnt in eurer Schule damit. Wenn ihr erfolgreich seid, geht an andere Schulen in eurer Nähe. Aber schreibt nicht ganz zu Beginn auf eure Website, dass ihr mit eurer Gründung alle Schülerinnen und Schüler in ganz Deutschland bedienen könnt (es sei denn, ihr könnt es wirklich).


10. Gut gebrüllt, ist halb gewonnen

Werbung, Marketing, PR -  um bekannt zu werden, müsst ihr in die Öffentlichkeit kommunizieren. Ohne Bekanntheit ist die coolste Gründung nicht viel wert. Es gibt viele Anlässe, um z. B. dem lokalen Radiosender oder der Lokalzeitung zu berichten, dass ihr als junge Menschen eine tolle Idee für die Region hattet oder dass ihr gerade einen Gründungswettbewerb gewonnen habt. Nutzt die vielen Möglichkeiten der sozialen Medien. Wichtig ist, dass ihr Anlässe identifiziert, um euch in die Öffentlichkeit zu bringen. Nur wer euch kennt, kann eure/eurer Kund*in und Unterstützer*in werden.



10,5. Bonus-Tipp: Habt Spaß an der Gründung

Manchmal gibt es schwere Zeiten, da muss jede*r ein bisschen Strecke fressen, wie es so schön heißt. Aber es lohnt sich! Macht oder unternehmt als Team zwischendurch etwas, das nichts mit der Gründung zu tun hat und allen viel Spaß macht. Den Biss beim Gründungsvorhaben behalten, den Humor nicht verlieren - das kann schon die Hälfte eures Erfolges sein.


Dieses ist kein Tipp, sondern ein Anliegen:

Gründen können Mädchen genauso gut wie Jungs! Das sollte eigentlich jedem klar sein. Dennoch sind nur 16 % der Start-ups von Frauen gegründet (Female Founders Monitor 2020). Tut euch zusammen, seid mutig, gründet!