Vielleicht kennst du die Situation: Du bist im Gespräch oder hörst irgendwo mit. Plötzlich fallen Sätze, die abwertend sind. Populistisch und diskriminierend. Oft verfällt man dann in eine Art Schockstarre und weiß gar nicht so richtig, wie man reagieren soll.
Womöglich erlebst du in deinem Umfeld gerade, dass sich Menschen von populistischen Aussagen und vereinfachten Lösungen einnehmen lassen, und möchtest ins Gespräch gehen.
Mit diesem kleinen Guide zeigen wir dir, wie du mit solchen Situationen umgehen kannst.
Eins vorweg: Du brauchst kein perfektes Faktenwissen. Vielmehr geht es darum, Argumentationsweisen zu verstehen und Probleme aufzuzeigen. Auch muss es nicht um eine tiefgehende Diskussion gehen. Wichtig ist, sich zu positionieren und zu zeigen, dass man mit einer Aussage nicht übereinstimmt.
Und wichtig für dich: Wenn du merkst, dass du für solche Gespräche gerade gar keine Energie hast, dann ist es auch völlig in Ordnung, sich rauszunehmen!
Woran erkennt man populistische Aussagen?
Erstmal zur Einordnung, welche Aussagen wir meinen. Populismus bedeutet kurzgesagt, einfache Lösungen auf komplexe Fragen zu haben. Hierbei wird oft mit Emotionen gespielt und Angst und Wut werden aufgegriffen. Deshalb wirken populistische Aussagen auch so stark. Eine genauere Erklärung findest du im Artikel „Warum sollten wir die Demokratie schützen?“.
Fangen wir also an, uns Schritt für Schritt durchzuarbeiten, wie man populistischen Aussagen begegnen kann.
- Beim Thema bleiben
Ein klassisches Beispiel ist das Springen von einem Thema zum nächsten, obwohl die Themen oft nichts miteinander zu tun haben. Zum Beispiel: Ihr seid im Gespräch zum Thema Klimakrise und dein Gegenüber macht auf einmal das Thema Sozialleistungen auf. Das kann verwirren und man weiß manchmal gar nicht, wie man jetzt reagieren soll. Hier ist es wichtig, zum Ausgangspunkt zurückzukommen. So kannst du verhindern, dass dein Gegenüber versucht, dich sprachlos zu machen:
- „Können wir wieder zum Ausgangsthema zurückkommen?“
- „Ich verstehe nicht ganz, was A mit B zu tun hat. Lass uns wieder zum Anfangsthema zurückkommen.“
- Stelle Fragen
Fragen zu stellen, kann dabei helfen, dass dein Gegenüber seine eigenen Aussagen überdenkt und merkt, wie überspitzt Dinge formuliert werden. Du kannst zum Beispiel fragen:
- „Wie genau meinst du das?“
- „Hast du einen Beleg dafür?“
- „Woher kommt diese Information?“
- „Wie kommst du darauf? Wo siehst du das?“
- „Ich verstehe das noch nicht so ganz. Kannst du mir das nochmal genauer erklären?“
- Frage nach Beispielen
Auch indem du nach Beispielen fragst, kannst du dein Gegenüber dazu bringen, seine Aussagen zu überdenken. Hier kannst du deine eigenen Erfahrungen miteinbringen, um Aussagen zu entkräften:
- „Ich habe eine ähnliche Situation anders erlebt, nämlich so …“
- „Ich habe letztens gelesen, dass …“
- „Statistiken zeigen aber, dass …“
- Perspektivwechsel
Die Perspektive zu wechseln, kann ebenfalls zum Nachdenken anregen. Indem zum Beispiel Gemeinsamkeiten gefunden werden, können sich Sichtweisen verändern. Empathie ist oft der Schlüssel zu mehr Verständnis:
- „Wie würdest du dich an der Stelle von xy fühlen?“
- „Stell dir vor, du wärst an der Stelle von xy …“
- „Was würdest du dir denn in der Situation von xy wünschen?“
- „Was würde dir jetzt helfen, mit der Situation umzugehen?“
- Wenn ihr nicht weiterkommt
Wenn du merkst, dass sich das Gespräch immer weiterdreht, du die Geduld und die Kraft, weiter im Gespräch zu bleiben, verlierst und vielleicht emotional wirst, kannst du auch gehen. Zum Beispiel mit den Worten:
- „Ich glaube, wir kommen hier nicht weiter, und ich merke, dass mich das Thema mitnimmt. Lass uns das Gespräch bitte an dieser Stelle beenden.“
Zum Abschluss
Manchmal fühlt es sich so an, als wenn Gespräche gar nichts mehr bringen. Dabei ist es genau jetzt wichtig, sich mit schwierigen Themen auseinanderzusetzen. Denn Schweigen spielt Populismus nur in die Karten. Was das bedeuten kann, liest du im Artikel "Wieso sind Demokratische Werte gerade so gefährdet?".
Und nochmal zur Erinnerung: Du musst kein perfektes Wissen haben. Wichtig ist, nachzufragen und somit zum Nachdenken anzuregen. Denn:
„Wenn eine ganze Welt schweigt, kann eine einzige Stimme mächtig sein.“ – Malala Yousafza
„Demokratie ist nie bequem.“ – Theodor Heuss