Erfahrungsbericht: Freiwilligendienst in Togo und FSJ in Heilbronn

Geschrieben am 20.05.2010
von Iza Witkowska


Brückenjahr und Auslandsaufenthalte sind ein wichtiges Thema beim Studienkompass. Es lohnt sich vorab mit Erfahrungsträger*innen darüber zu sprechen. Sie können Tipps & Tricks verraten und viele Fragen beantworten. Studienkompass-Teilnehmende, die bereits ein Brückenjahr oder einen Auslandsaufenthalt  erlebt haben, berichten hier von ihren Erfahrungen. 



 Ole hat einen Freiwilligendienst mit weltwaerts in Karime in Togo und ein Freiwilliges Soziales Jahr im Rettungsdienst beim Deutschen Roten Kreuz in Heilbronn geleistet.


Hey, ich bin Ole und mittlerweile 22 Jahre alt. Vor meinem Abitur (2017) habe ich mir genau wie ihr Gedanken gemacht, was mir die Zukunft bringen soll.
Da ich direkt nach dem Abi weder eine Ausbildung noch ein Studium beginnen wollte, entschied ich mich für einen weltwaerts Freiwilligendienst. Dieser erstreckte sich über ein Jahr (bis August 2018), in dem ich an einem College in Togo als Assistenzlehrer in Sport und Englisch arbeitete.
Nach besagtem Auslandsjahr wusste ich immernoch nicht, was ich studieren wollte, sodass ich noch ein FSJ (ebenfalls ein Jahr, aber auch verkürzbar und als BFD) beim Rettungsdienst (Rotes Kreuz) anhängte. Auch dieses Jahr verbrachte ich mehr als positiv und lernte viel Wichtiges für die Zukunft.

 

Welche Art von Freiwilligendienst hast du gemacht?
Es war ein sogenannter „weltwaerts Freiwilligendienst“ Dazu gibt es auch allerhand
Informationen im Internet. In meinem Fall war ich in einem College (ähnlich einer
Realschule) in Kpalimé (Togo). Später habe ich außerdem noch Deutschunterricht im
Ausbildungszentrum meines Gastvaters gegeben und habe mich in ein ökologisches
Landwirtschaftsprojekt eingebracht (beides war aber von mir aus und musste man
nicht machen).

 

Wie lang genau ging es? 
Das ist variabel. Mein welwaerts Freiwilligendienst ging 11 Monate. Kann man aber auch nur wenige Monate machen oder ein halbes Jahr.
Das FSJ beim DRK geht maximal 18 Monate und mindestens 3 Monate.

 

Wo und wie hast du den Freiwilligendienst gefunden?
Ich bin durch meine damalige Freundin auf die Organisation aufmerksam geworden,
wollte auch zuerst nach Tansania, habe mich dann aber aufgrund der Sprache für Togo
entschieden.

 

Wo und wie genau muss man sich dafür bewerben? Gibt es Bewerbungsfristen?
Beim DRK gibt es denke ich keine Bewerbungsfrist…allerdings werden nicht jeden Monat
neue FSJler eingestellt. Beim weltwaerts Freiwilligendienst sollte man sich so früh wie
möglich bewerben. Ungefähr im Frühling.

 


"Ich habe mich sehr wohl gefühlt und hatte zu keiner Zeit das Gefühl mit mir oder einem Problem alleine dazustehen."


Was hat dir gefallen?
Viel zu viel um alles aufzuzählen… vor allem dass man sehr viele neue Leute kennenlernt
und Freunde gewinnt. Man erweitert seinen Horizont und lernt viel neues.


Was fiel dir dabei schwer?
Manchmal kommt es zu Missverständnissen …aber auch diese ließen sich irgendwie und
irgendwann lösen.


Gibt es bei Schwierigkeiten einen Ansprechpartner vor Ort?
Nein

 

Für wen ist deine Tätigkeit geeignet/was für Eigenschaften muss man mitbringen?
Meine Tätigkeiten sowohl im Ausland als auch beim DRK sind etwas für abenteuerlustige, die
nach dem Abitur nicht nur stur in der Uni oder der Hochschule sitzen wollen, sondern etwas
sinnvolles tun wollen und sich dabei auch noch weiterbilden wollen.

 


Welche Kosten fallen dabei an?
Beim DRK gar keine. Im Ausland nur die Lebenserhaltungskosten für Essen, Wohnen etc.
Diese werden aber durch das Kindergeld abgedeckt.


Erhält man bei der Tätigkeit auch etwas Geld?
Im Ausland bekommt man ein monatliches Taschengeld von 100€. Beim DRK bekommt
man ein Taschengeld von 410€ im Monat.

 

Kostet ein Freiwilligendienst trotz des “Freiwilligen-Aspekts” Geld? Wenn ja, mit
wie viel muss man rechnen?

Wie es allgemein ist, kann ich nicht sagen. Bei mir war es jedoch so, dass ein Großteil
der Kosten (~70%) durch das weltwaerts Programm übernommen wurde. Den Rest
sollte ich selbst beisteuern (pro Monat, den man im Ausland ist, sollten es 190€ sein,
mit denen sowohl die Gastfamilie bezahlt wird als auch die Partnerorganisationen im
Ausland und der ganze Bürokratie Kram), allerdings nicht durch mein eigenes
Erspartes, sondern man sollte sich einen „Spenderkreis“ zusammenstellen. Also z.B.
Leuten von dem erzählen, was man so in einem Jahr im Ausland vor hat. Dafür habe ich
dann von der Organisation viel Material bekommen (vor allem
Spendenbescheinigungen). Man kann aber auch anderweitig Geld sammeln, zum Beispiel
durch Spendenläufe oder Flohmärkte, der Kreativität sind da keine Grenzen gesetzt.

 


Würdest du es weiterempfehlen? "Auf jeden Fall!"

 

Warst du bei deiner Tätigkeit in Togo sehr eingespannt/beschäftigt oder ist dir auch Zeit
geblieben, um ein bisschen über die Zukunft  zu reflektieren und nachzudenken?

Ich hatte in meinem Projekt eine ziemlich große Freiheit. Ich konnte mir meinen
Stundenplan selbst zusammenstellen und so entscheiden, was ich mit welcher Klasse
machen will. Urlaube sollte ich vorher bei den Lehrern und der Organisation
ankündigen, waren aber auch nie ein Problem (auch meine Mitfreiwilligen hatten
damit kein Problem). Ich hatte also sehr viel Zeit, um mich sowohl auf mich als auch
auf mein Projekt zu fokussieren.



Was hast du von deinem Aufenthalt in Togo mitgenommen? Welche Highlights gab es
für dich?

Meine Highlights waren auf jeden Fall zum einen die Reisen, die ich sowohl innerhalb
des Landes als auch in die Nachbarländer unternehmen konnte, und zum anderen die
Menschen, die ich dort als Freunde gewinnen konnte und zu denen ich heute noch
Kontakt habe. Mitgenommen (neben vielen Souvenirs) habe ich die Einstellung, dass
man sich lieber erst ein Bild machen soll, bevor man immer über „Afrika“ redet.

 

Hast du während deines Aufenthaltes in Togo bei einer Gastfamilie gelebt? Wie war das
für dich?

Ja, habe ich. Ich habe mich ziemlich schnell daran gewöhnt, weil es für mich wie eine
zweite Familie geworden ist. Ich habe mich sehr wohl gefühlt und hatte zu keiner Zeit
das Gefühl mit mir oder einem Problem alleine dazustehen.

Was genau darf man in einem FSJ im Rettungsdienst machen? Bzw. Wie viel
bekommt man beigebracht? (Im Vergleich zur Ausbildung)

Bei uns in Heilbronn bedient man als FSJler die Krankentransportfahrzeuge und kann
auch ab und zu (je nachdem, wie gut man sich anstellt) Rettungswagen fahren.
Grundsätzlich werden alle FSJler zum Rettungshelfer ausgebildet. Das heißt 3 Wochen
Schule (wir haben einige spezielle Rettungsdienstschulen im ganzen Bundesland
verteilt) in denen man die wichtigsten Notfälle im Alltag vermittelt bekommt (wie
erkenne ich einen Notfall und wie behandle ich ihn) und danach 2 Wochen Praktikum
auf dem Rettungswagen. Wer sich in der Ausbildung zum Rettungshelfer und in den
Praktika gut anstellt, wird weiter ausgebildet zum Rettungssanitäter. Das heißt weitere
3 Wochen Schule, ein Klinikpraktikum im OP, auf der Intensivstation und der
Anästhesie und ein weiteres Praktikum auf dem Rettungswagen. Beide Ausbildungen
kosten, wenn man sie privat machen würde, um die 3000€. Es wird also schon einiges
in einen investiert.



Wie hast du dich für dein FSJ beworben?
Ich habe eine E-Mail an den Leiter der Wache Heilbronn geschrieben. Dieser lud mich
daraufhin zu einem Probearbeitstag ein, an dem ich auf einem KTW als Dritter
mitgefahren bin. Nach diesem überzeugendem Probearbeitstag habe ich mich dann
für das FSJ entschieden. Ich musste eine Seite mit meinen Daten ausfüllen, mit denen
ich dann in der Rettungsdienstschule angemeldet wurde. Ein paar Wochen später
bekam ich dann die Anmeldung zum Rettungshelferkurs per Mail und dann startete
das FSJ auch schon.

 

Welche Voraussetzungen muss man für diese Art von FSJ erfüllen?Voraussetzung ist meines Wissens nach nur ein Führerschein der Klasse B und dass man 18 Jahre alt ist. Man sollte natürlich auch kein Problem mit Kontakt zu Menschen haben und auch ab und zu mal Blut sehen können, ohne selbst in Ohnmacht zu fallen^^.