Erfahrungsbericht: Erasmus in Spanien

Geschrieben am 20.05.2010
von Iza Witkowska


Brückenjahr und Auslandsaufenthalte sind ein wichtiges Thema beim Studienkompass. Neben den Formalitäten lohnt es sich, zusätzlich mit Erfahrungsträger*innen zu sprechen. Sie können Tipps & Tricks verraten und viele Fragen beantworten. Studienkompass-Teilnehmende haben deswegen diejenigen interviewt, die ein Brückenjahr oder einen Auslandsaufenthalt bereits gemacht haben. 

 



Esra

ist mit Erasmus nach Spanien gegangen und hat ein Semester an der Universidad de Jaén in Andalusien studiert.


 

Wie war es da, wo du warst?

Es war eine ziemlich moderne Universität. Die Stadt Jaén war eine kleine aber feine Stadt mit 0 Touristen, sodass die Einheimischen kein Wort Englisch konnten. Das war die perfekte Gelegenheit für mich, mein Spanisch zu verbessern!

 

Für wen ist das Erasmus-Programm am besten geeignet? / Was für Fähigkeiten muss man auf jeden Fall mitbringen?
Das Erasmus-Programm ist für jeden geeignet, der neue Leute, ein neues Land und auch viele unterschiedliche Kulturen kennenlernen möchte! Falls sich die Frage mit den Fähigkeiten auf das Können der Sprache des Ziellandes bezieht: Das hängt ganz vom Zielland ab. Nach Spanien konnte man beispielsweise auch mit keinen oder sehr geringen Sprachkenntnissen. Vor Ort wird viel mehr Englisch gesprochen und/oder man lernt die Sprache in einem Sprachkurs und durch den Kontakt mit den Einheimischen ganz schnell. Ansonsten ist es natürlich hilfreich, wenn man offen für Neues ist.

 

Wie ist das mit der Sprachqualifikation? Kann es sein, dass man vorher einen Test machen muss oder liegt es im eigenen Ermessen, ob man sich zutraut, im jeweiligen Land zu studieren?
Wie vorhin auch schon erwähnt, ist es je nach Zielland unterschiedlich. Ich schätze mal für England hat man einen Test vorher machen müssen, aber da bin ich mir nicht ganz sicher. Und für die USA auch, aber das zählt ja nicht als Erasmus.

 

Gab es bei Schwierigkeiten einen Ansprechpartner vor Ort?
An meiner Zieluniversität gab es ein sogenanntes „Buddy-Programm“. Man konnte sich freiwillig anmelden und bekam einen Studenten zugewiesen, der einem vor Ort bei der Wohnungssuche, bei organisatorischen Sachen in der Uni half. Es entwickelten sich auch sehr gute Freundschaften und sie zeigten einem auch die Gegend. Ich habe gehört, dass es solch ein Programm an mehreren Unis geben soll. Falls nicht, kann man sich immer an das International Office wenden, die für internationale Studenten zuständig sind oder auch mal offen sein und einheimische Studenten ansprechen ☺

 


"Man bekommt (...) sehr viel in Deutschland angerechnet"

 

Was genau sind die Vorteile an Erasmus+, um im Ausland zu studieren?
Man bekommt (falls man passende Kurse vor Ort findet) sehr viel in Deutschland angerechnet. Vor allem, wenn man die Sprache studiert (Ich habe sehr viel für mein Spanischstudium angerechnet bekommen). Und man lernt natürlich die Sprache, die Kultur, verreist sehr viel und wird reifer! Falls ihr mal schon immer für einen längeren Zeitraum im Ausland leben wolltet, ist das Erasmus-Programm super geeignet. Man kann sowohl Erfahrungen sammeln, als auch sein Studium fortsetzen: Zwei Fliegen mit einer Klatsche!

 

Wie genau funktioniert die Anrechung der Punkte?

Jede Universität bietet eine Infoveranstaltung zum Thema Erasmus an, in der man alle erforderlichen Infos bezüglich Städteangebote, Bewerbung, Ablauf, Papierkram, etc. bekommt. Es gibt einen Bewerbungszeitraum, in dem man sich meistens mit einem Motivationsschreiben und ein paar Daten bewerben muss. Danach erfolgt die Zulassung. Nach der Zulassung erkundigt man sich über das Studienangebot der Zieluniversität im Ausland und schaut, welche Kurse zu welchen Kursen in der Heimatuni passen, sodass man die im Ausland besuchten Kurse auch hier in Deutschland anrechnen lassen kann. Ich habe damals alle besuchten Kurse angerechnet bekommen. Es ist am Anfang sehr viel Papierkram zu erledigen, aber es lohnt sich definitiv!



Welche Kosten fallen dabei an, die man selbst bezahlen muss (also abgesehen von Bafög/Zuschuss, den du erwähnt hast)?
Miete, Verpflegung, Taschengeld. Man sollte auch vorher eine Auslandskrankenversicherung abschließen, da die Auslandskrankenversicherung der gesetzlichen Krankenkassen nur Vorfälle im Urlaub übernimmt. Da man länger im Ausland ist, werden entsprechende Kosten von der GKK nicht übernommen.


Hast du das Auslandsbafög beantragt und wenn ja, welche Kriterien muss man dafür erfüllen?
Ich habe das Auslandsbafög nicht beantragt, da ich auch das normale Bafög nicht bekommen habe. Daher weiß ich nicht, wie das Ganze abläuft und welche Kriterien man erfüllen muss. Aber da kann man sich für weitere Infos an das Bafög-Büro der eigenen Uni wenden.


Wie hoch war das Erasmus-Geld bei dir?
1200€ Zuschuss habe ich bekommen. Und das hat für die Abdeckung der Mietkosten vor Ort für 6 Monate gereicht.

 


"Es war die beste Zeit meines Lebens!"

 

Wovon hängt die maximale Anzahl der freien Plätze ab?
Von der Nachfrage für das jeweilige Land und die jeweilige Stadt. Und auch von der Anzahl der Plätze, die an jede Uni in Deutschland von der Zieluni vergeben werden.


Beeinflusst das Studienfach oder die Universität, die man besucht, die Auswahl an Partneruniversitäten?
Ja. Das Studienfach eher weniger, doch die Universität die man besucht definitiv. Jede Universität hat eine bestimmte Partneruniversität im Ausland. Natürlich kommen auch mal andere Unis hinzu oder die Partnerschaften werden auch mal aufgelöst.

 

Wo hast du in Spanien gewohnt?

Ich habe dort in einer WG gewohnt. Zuerst wollte ich in ein Studentenwohnheim, doch das Prinzip des Studentenwohnheims ist in Spanien etwas anders gewesen als hier (mit Verpflegung und deshalb ziemlich teuer gewesen). Daher habe ich mich dagegen entschieden. Man muss sich vor der Abreise sehr gut über die Stadt, die Angebote etc. informieren! Ich habe mir auch Erfahrungsberichte, die die Uni zur Verfügung stellt, durchgelesen und dementsprechend gehandelt. Viele Vorgänger hatten geraten, für die ersten Tage ein Zimmer in der Jugendherberge oder im Hostel zu reservieren und sich dann auf die Wohnungssuche zu begeben. Obwohl ich für eine Woche reserviert hatte, wurde ich nach 4 Tagen schon fündig und bin dann raus. Die Wohnungspreise in Spanien sind recht niedrig und man findet in Spanien auch schneller als in anderen Ländern eine Wohnung.


Was war dein persönliches Highlight?
Das Verreisen und das vielfältige Angebot vor Ort. Und natürlich das Land im Allgemeinen: die Kultur, die Menschen, die Uni, die Erfahrungen…
Und die Alhambra in Granada war mein absolutes Highlight! So ein schöner Ort voller Geschichte und Kultur.


Was hat dir nicht gefallen / was fiel dir besonders schwer?
Es gibt eigentlich fast gar nichts, was mir nicht gefallen hat. Man sollte sich aber vorher schon bewusst sein, dass es kulturelle Unterschiede in der Lebensform geben wird.
Die Zustände der Wohnungen waren nicht so hochwertig wie z.B. in Deutschland. Das hat ab und an mal Schwierigkeiten bereitet, aber es war halb so wild.


Welche Tipps/Anmerkungen hast du sonst noch?
Traut euch! Am Anfang hatte ich auch tausend Fragezeichen im Kopf und auch ein wenig Angst, aber es lohnt sich definitiv!

Nach der Ankunft in Deutschland sollte man sich so schnell wie möglich um die Anrechnung der im Ausland erbrachten Studienleistungen kümmern. Es war die beste Zeit meines Lebens! Man lernt so viele neue Leute kennen, lernt die Sprache effektiv und verreist sehr viel, sieht viele neue Sachen. Ich würde jedem einen Auslandsaufenthalt ans Herz legen und vor allem ein Auslandsaufenthalt in Spanien. ¡Viva España!