Interview mit Karin Jordan

Geschrieben am 07.03.2019
von Iza Witkowska


In 1994 hat sie ihr Slow-Fashion-Label gegründet mit der Motivation, Kleidung mit hohem Wohlfühlfaktor für Frauen im Business zu entwickeln.

Es war und ist ihr ein Herzensanliegen hochwertig, fair und ökologisch zu produzieren, (...) ein nachhaltiges Angebotskonzept zu entwickeln, vergleichbar mit dem Capsule-Wardrobe-Prinzip, welches aus meiner Sicht eine Alternative zum schnelllebigen Modemarkt darstellt.

Da sich alle Modelle untereinander kombinieren lassen, finden keine Fehlkäufe mehr statt und dies entlastet überfüllte Kleiderschränke. Somit zeigt Frau Jordan auch angebotsregulierende Wege auf, die skalierbar für den Markt sind und der Überproduktion von Kleidung ein alternatives Konzept entgegenhalten!




Unsere Teilnehmenden Celina, Sophia & Ivana berichten


Die Gesprächsatmosphäre empfanden wir als sehr entspannt und geprägt von gegenseitigem Interesse. Frau Jordan war sehr daran interessiert, was uns zum gründungsKompass gebracht hat und was wir für erste Ideen und konkrete Fragen haben.


„Design ist für mich immer auch eine politische und gesellschaftliche Frage.“

Das waren für uns die wichtigsten Aussagen von Karin Jordan:

- Als Selbstständige arbeitet man gern 70/80 h pro Woche aufgrund der Leidenschaft für die eigene Idee. Daher muss unbedingt ein Zeitmanagement mit klaren Tagesabläufen her und eine Struktur entwickelt werden.
- Die Entscheidung, ob man „im oder am Unternehmen“ arbeiten möchte, ist sehr wichtig und sollte früh gefällt werden. „Aus dem Unternehmen“ hat man oft Schwierigkeiten in die Leader-Position zu kommen, da man sich im Prozess möglicherweise bereits unabdingbar gemacht hat.
- Über seine genauen Ziele sollte man sich immer wieder Gedanken machen und auch nachjustieren und verfeinern. Genauso auch seine Kompetenzen.
- Als Gründer*in muss man nie alles selbst können, was ein Prozess z. B. den der Produktion ausmacht. Es ist wichtig, diesen Prozess Schritt für Schritt aufzuschlüsseln.


Besonders beeindruckt hat uns:

Wie lange Frau Jordan schon dabei ist und wie reflektiert sie mit sich und ihrer Arbeit umgeht. Jeden Morgen nimmt sie sich Zeit für ihre körperliche und geistige Fitness und bildet sich stets weiter, auch um eben in der Position der Führung ein Vorbild für alle in ihrem Unternehmen zu sein.
Außerdem fanden wir ihre Erzählung darüber, wo der Anstoß für ihre Gründung lag, sehr berührend. Sie ist in der DDR aufgewachsen und hat in Leipzig Design studiert – vordergründig Kreativität aus einem Mangel heraus. Nach der Wende war sie überwältigt von dem Überfluss an Mode, erfuhr eine regelrechte Überreizung und fing dadurch an, ihre eigenen Werte zu festigen und stellte einen Mangel an alternativen Lösungen fest. Das war der Konflikt, aus dem ihre Idee geboren wurde.



„Wer tut, muss verantworten“

Aus dem Gespräch haben wir mitgenommen:

Selbstständigkeit und Gründen erfordern früher oder später sehr viel persönliche Arbeit mit und an sich selbst. Gerade bei sozialen Gründungsthemen ist es extrem wichtig, mit sich und seiner Idee/Vision „im Reinen“ zu sein. Achtsamkeit und Disziplin sowie frühzeitig Prioritäten setzen bilden einen essentiellen Teil von erfolgreicher Selbstständigkeit. Natürlich wächst man an seinen Aufgaben, all das entwickelt sich nach und nach und durch viel ausprobieren.
Kontakte sind unglaublich wichtig, und noch wichtiger ist es, diese zu pflegen und im Überblick zu behalten. Frau Jordan hat dazu relativ früh eine eigene Datenbank angelegt und viel Geld investiert, diese aktuell zu halten. Sich also ein stabiles Netzwerk aufzubauen, über das dann auch Mitarbeitende, Geschäftspartner etc. gefunden und erreicht werden können. Außerdem ist es wichtig, dass man sich immer Hilfe holt, gerade im Gründungsprozess, wenn man etwas nicht alleine schafft. Es gibt Anlaufstellen wie die Gründerinnenzentrale in der Weiberwirtschaft in Berlin, die auch über verschiedenste Finanzierungsmöglichkeiten informieren und einen rundum beraten können. Frau Jordan hat sich mehrfach coachen lassen und hat dies ausdrücklich als Prozessbegleitung empfohlen und geraten, darein auch viel Geld zu investieren, weil es sich lohnt. 
Außerdem ist es wichtig, für die erste Zeit nach/während der Gründung einen finanziellen Rückhalt zu haben, um sich ganz auf seine Idee und ihre Realisierung konzentrieren zu können. Es ist also etwas Vorlauf erforderlich und sollte nicht „ins Blaue“ gegründet werden, wenn keine Möglichkeit besteht, sich über Wasser zu halten.


Das würde uns bei unserem nächsten Interview interessieren:

Frau Jordan hat uns erzählt, dass sie in unserer Generation einen Trend zu mehr Bewusstsein und Nachhaltigkeit sieht und sie das hoffnungsvoll stimmt. Mich würde interessieren, wie sie diese Beobachtung in einem Jahr sieht und ob diese allgemeine Entwicklung Auswirkungen auf ihre Kundschaft hat. Außerdem würden wir gern wissen, wie sich ihr produktives/vorbereitendes Morgenritual vielleicht in diesem Jahr geändert hat, was sie Neues integriert hat, um sich noch effektiver ihrer Arbeit zu widmen und ein Vorbild für ihre Mitarbeiter*innen zu sein. Und ob der Anteil von Fair Fashion am Modemarkt gestiegen ist (aktuell: nur 2 %).


Mehr über die Firma findest du auf der Webiste von Karin Jordan.