Kompetenzen

Teil 4: Lerntechniken

Geschrieben am 11.09.2019
von Iza Witkowska


Wer sich auf eine Prüfung vorbereiten möchte, kann verschiedene Wege und Herangehensweisen nutzen, um den Lernstoff zu verinnerlichen. Lerntechniken haben unterschiedliche Ansätze. Eine Mind Map eignet sich zum einen dazu, sich einen Überblick zu verschaffen und das große Ganze zu sehen. Zum anderen wird hier durch die Visualisierung gelernt. Andere Methoden helfen z. B. den Inhalt eines Textes zu erfassen (SQR3) oder einzelne Fakten zu erinnern (Mnemotechnik).


Es gibt nicht die eine Lerntechnik, die am besten für alle und alles funktioniert! Je nachdem was gelernt werden soll (z. B. Vokabeln lernen oder einen komplexen Vorgang beschreiben), bieten sich unterschiedliche Methoden an. Außerdem solltest du verschiedene Techniken ausprobieren und herausfinden, welche am besten für dich selbst funktioniert! Schau dir außerdem die Abschnitte zu den Themen „Lernen – was ist das überhaupt?“ und „Zeitmanagement“ an! Hier findest du weitere wertvolle Tipps rund um das Thema Lernen!



Eselsbrücken 


 



Wir alle kennen Eselsbrücken seit unserer Kindheit und diese Merksätze, Verse und Reime sind auch nach Jahren noch immer in unserem Kopf! Das lässt sich ganz leicht erklären: Unser Gehirn kann sie sich besonders gut merken. Wenn wir also etwas lernen wollen, sollten wir das für uns nutzen!

Eselsbrücken eignen sich besonders, wenn man sich bestimmte Fakten oder eine Reihenfolge merken will, aber auch für Begriffe, deren Bedeutung oft verwechselt wird (z. B. konkav und konvex). Dabei werden Lerninhalte für das Gehirn interessanter gestaltet, indem beispielsweise Reime gebildet oder Zusammenhänge zwischen Buchstaben hergestellt werden. Dabei gilt: je absurder, desto besser! Die Eselsbrücken, die besonders abstrakt sind und einen am besten zum Schmunzeln bringen, prägen sich am einfachsten ein.

Hier einige bekannte Beispiele:

  • Reime – Wer nämlich mit ‘H’ schreibt, ist dämlich.
  • Buchstaben –  Nie Ohne Seife Waschen – Norden, Osten, Süden, Westen
  • Vergleiche – Afrika ist größer als Indien und afrikanische Elefanten haben größere Ohren als indische Elefanten.

 

Übung: Vervollständige die Eselsbrücken!


 

 


Eigene Eselsbrücken erstellen

Im Internet lassen sich zu fast allen Themen Eselsbrücken finden. Hier wird sogar angeboten, dass auf Anfrage ein „passendes und denkwürdiges Bild“ gebaut wird. Für den persönlichen Lernerfolg ist es jedoch das Beste, eigene Eselsbrücken zu kreieren. Durch die Suche nach einem passenden Bild, Vers oder Vergleich beschäftigen wir uns intensiver und kreativer mit dem Lernstoff, weshalb er besser hängen bleibt. Zudem konstruieren wir einen Merksatz, der in unser eigenes Wissensnetz passt. Dieses Vorgehen ist daher äußerst effektiv.


1. Überlege dir, was genau du dir merken möchtest und formuliere es als Merksatz!

Möchtest du dir z. B. eine bestimmte Reihenfolge, Jahreszahlen oder Formeln merken? Oder rechts und links nicht mehr verwechseln? Schreibe auf, was du nicht vergessen willst!

2. Sammle alles, was dir dazu einfällt!

Also Begriffe, Bilder und Situationen, die du damit in Zusammenhang bringst. Fällt dir ein Zusammenhang ein, der sich in eine Eselsbrücke verpacken lässt

Beispiel: Sommer- und Winterzeit – Sommer/warm/draußen/Garten/Gartenmöbel Gartenmöbel VOR das Haus + Uhr VOR stellen

3. Erkennst du in den Zahlen bzw. Buchstaben eine Reihenfolge oder Kombinationsmöglichkeit, die sich nutzen lässt?

Beispiel: KLAPS – Klammer vor Punkt- und Strichrechnung

4. Lässt sich ein passender Reim bilden?  

Beispiel: 7 – 5 – 3, Rom schlüpft aus dem Ei!

 



Übung: Erstelle eigene Eselsbrücken!

Überlege dir Eselsbrücken, um dir folgendes zu merken! 



 

Weitere Informationen zum Thema Eselsbrücken findest du auf woxikon.de hier, auf denkreich.com hier und auf karrierebibel.de hier

 



Mind Maps


 


Vor manchen Prüfungen sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht! Der Lernstoff erscheint wie ein riesiger Berg und man hat keine Ahnung, wo man anfangen soll. Bevor du jetzt unstrukturiert und planlos einfach irgendwo anfängst, dich in Details verlierst oder sogar ganz kapitulierst, solltest du dir besser die Zeit nehmen und dir einen Überblick verschaffen. Die Methode Mind Mapping eignet sich dafür ganz besonders.



Eigene Mind Maps erstellen

Sicherlich gibt es zu vielen Themen bereits fertige Mind Maps. Für deinen persönlichen Lernerfolg ist es allerdings das Beste, selbst aktiv zu werden und dir deine eigene Mind Map zu erstellen!  



 

Weitere Informationen zum Thema Mind Maps findest du unter studienstrategie.de hier, im Methodenpool der Uni Köln hier und unter studies-online.de hier

 



Lernposter


 


Viele kennen Lernposter aus der Schule. In den Klassenräumen hängen oftmals vorgefertigte Lernplakate zu verschiedenen Themen. Klassisches Beispiel ist das Poster mit den Buchstaben des Alphabets. Typischerweise sind die Buchstaben einmal groß und einmal klein geschrieben und mit einem Tier oder Gegenstand mit demselben Anfangsbuchstaben versehen (Hier kommen Eselsbrücken zum Einsatz!). In höheren Klassenstufen werden z. B. biologische Vorgänge schematisch dargestellt, historische und künstlerische Epochen visualisiert oder Grammatikregeln abgebildet.



Im Gegensatz zur Mind Map, die dir dabei hilft, einen Überblick über ein Themengebiet zu bekommen, enthält das Lernposter detaillierte Informationen zu einem Thema und basiert nicht auf der für Mind Maps typischen Baumstruktur. Das Lernposter bietet mehr Raum für Inhalte und enthält Definitionen, Fakten und Erklärungen. Es bildet eine visuelle Gedankenstütze und ist für unser Gehirn besonders geeignet um sich Inhalte zu merken. Bei der Gestaltung sollte man so kreativ wie möglich sein und viele Farben, Bilder und Symbole verwenden!



Eigene Lernposter erstellen

Auch für Lernposter gilt: gestalte dir dein eigenes Poster ganz nach deinen Bedürfnissen und greife nicht auf schon vorhandene Lernplakate zurück. Sei bunt und kreativ! 


1. Überlege dir zunächst, was dein Hauptthema ist!

2. Welche Unterpunkte hat dieses Thema? Liste sie auf!

3. Welche Aspekte sind die wichtigsten und müssen auf das Lernposter? Das gesamte Geschichtsbuch abzuschreiben bringt dich auch nicht weiter. Was ist wirklich relevant?

4. Überlege dir den Aufbau des Posters!

5. Welche Darstellungsform bietet sich für die einzelnen Unterpunkte an? (Text, Abbildung, Skizze, Tabelle, Diagramm)?

6. Hänge das Poster an einer gut sichtbaren Stelle auf!


Tipps

  • Nutze Post-its um bestimmte Definitionen abzudecken.
  • Hänge das Poster an die Kühlschranktür oder deine Zimmertür. Du darfst die Tür erst dann öffnen, wenn du das Poster 1x durchgelesen, laut vorgelesen oder auswendig aufgesagt hast!
  • Überlege dir ein individuelles Farbschema. Schreibe alle Definitionen in blau oder alle Inhalte zu einem bestimmten Unterpunkt in grün.



Loci Methode


 


Die Loci-Methode ist eine sogenannte Mnemotechnik. Gedächtniskünstler*innen beweisen immer wieder, dass es möglich ist, sich mit Hilfe dieser Technik viele Informationen auf einmal zu merken. Der Trick dabei ist, die zu lernenden Fakten mit Bildern zu verbinden und sich Geschichten auszudenken. Dadurch fällt es dem Gehirn leichter, die verknüpften Informationen zu einem späteren Zeitpunkt wieder abzurufen. Eine bekannte und effektive Variante der Mnemotechnik ist beispielsweise die Eselsbrücke, bei der sich Lernstoff mit Hilfe von Bildern oder Reimen gemerkt wird.


Verknüpfe den Lernstoff mit Gegenständen oder Orten, die in deiner Erinnerung einen festen Platz haben. Gedanklich beschreitest du dann eine Route z. B. durch die eigene Wohnung und rufst die Informationen auf, die du mit den Gegenständen verbunden hast. Weitere mögliche Verknüpfungsrouten sind auch der Weg zur Schule oder zum Supermarkt, der markante Punkte hat wie z. B. eine Bushaltestelle, mit der Lerninhalte verknüpft werden können. Außerdem eignet sich der eigene Körper (Fuß, Knie, Hand…). Auch hier gilt: je absurder und verrückter die erdachten Bilder und Geschichten sind, desto besser bleiben sie im Kopf! In einer Prüfungssituation schreitest du gedanklich die festgelegte Route ab und rufst an den festgelegten Punkten das verknüpfte Wissen wieder auf.



Übung: Merke dir die Begriffe!

Merke dir die folgenden 6 Begriffe mit Hilfe der Loci-Methode, indem du dir Verknüpfungen mit deinem Körper überlegst. 

    Ananas, Büroklammer, Eule, Reagenzglas, Gitarre, Gießkanne

Beim ersten Begriff bekommst du einen Tipp…




SQR3-Lesetechnik


 


Beim Lesen von Fachliteratur solltest du strukturierter vorgehen und nicht „drauf los lesen“ wie bei einem Unterhaltungsroman. Liest man einen wissenschaftlichen Text oder ein Fachbuch, möchte man den Inhalt begreifen. Dazu sollte man sich aktiv und zielbezogen mit den Inhalten auseinandersetzen. Es empfiehlt sich dafür die SQR3-Methode anzuwenden. Hierbei handelt es sich um eine Lesetechnik, die im ersten Augenblick aufwändig erscheint, sich aber durchaus lohnt.

Dank der besonderen Vorgehensweise wird der Text aktiv gelesen sowie kritisch hinterfragt. Die Textinhalte werden besser verstanden und bleiben somit länger im Gedächtnis. Das erspart dir letztlich viel Zeit beim Lernen. Nach einiger Übung wird die SQR3 Lesetechnik ganz schnell selbstverständlich



1. Survey – Verschaffe dir einen Überblick!

Lies den Klappentext und das Vorwort des Buches, schaue dir das Inhaltsverzeichnis an und erfahre so mehr über Inhalt und Aufbau des Textes, den Schreibstil des*r Autor*in und die thematischen Schwerpunkte. Das hilft dir bei einer ersten Orientierung.

2. Question – Was möchtest du vom Text wissen?

Formuliere Fragen und schreibe sie auf ein Blatt Papier. Dein Lesen wird so aktiver und zielgerichteter, da du die Fragen im Hinterkopf hast und nach den Antworten suchst. Fragen könnten z. B. sein: Was will ich erfahren? Worauf suche ich eine Antwort? Was beabsichtigt der*die Autor*in? Was sind Kernaussagen, Schlagwörter und wichtige Definitionen im Text?

3. Read – Lies!

Konzentriere dich dabei und versuche bewusst und verstehend zu Lesen. Markiere wichtige Stellen im Text und mache dir am Rand Notizen. Schreibe z. B. Schlagworte neben die Absätze. So findest du bestimmte Aussagen später einfacher wieder. Vergiss beim Lesen deine vorher formulierten Fragen nicht!

4. Recite – Was hast du da gerade gelesen?

Denke über das Gelesene nach! Worum ging es? Was waren die wichtigsten Erkenntnisse? Welche Schlagwörter und Kernaussagen gab es? Mache dir Notizen oder schreibe kurze Zusammenfassungen über einzelne Abschnitte oder Kapitel.

5. Review – Alle Fragen beantwortet?

Nimm dir die in Schritt 2 formulierten Fragen und prüfe, ob du sie alle beantworten kannst. Was ist eventuell noch unklar bzw. was wurde im Text nicht beantwortet? Überlege dir außerdem, wie du das Gelesene mit deinem vorhandenen Wissen verknüpfen kannst. Hast du an einer anderen Stelle schon mal etwas über das Thema gelesen oder gehört?


Übung: Schlagworte und Kernaussagen formulieren

In der Übung findest du berühmte Filme. Überlege dir zu jedem Film entweder 3 prägnante Schlagworte oder formuliere einen Satz, der den Kern des gesamten Films beschreibt!



 

Weiere Informationen zum Thema SQR3 findest du unter lernen-heute.de hier und auf uni-due.de hier.

 


Quiz

Lass uns zusammen schauen, was dir in Erinnerung geblieben ist. Auf jede Frage gibt es nur eine korrekte Antwort!